Spieltag 11: FC Augsburg – 1.FSV Mainz 05 2:1 (1:0), 12.Tabellenplatz

Mainzer Angsthasen-Taktik und Rot für Wetklo – nur Polter bleibt ungeschlagen

Augsburg gewinnt verdient mit 2:1 und nach fünf Spielen ohne Sieg, doppelter Torschütze ist André Hahn (26./49.).

Im Auswärtsspiel gegen einen vermeintlich einfachen Gegner verliert Mainz den Anschluss  in der Tabelle nach oben. Augsburg wiederum gelang gegen Mainz der erste Sieg seit zwei Monaten. «Dass es zum Schluss so nervenaufreibend geworden ist, lag an der Geschichte der vergangenen Wochen. Das ist ein unheimlich wichtiger Sieg für uns», sagte Weinzierl erleichtert. In ihren vergangenen fünf Partien hatten die Schwaben jeweils 1:0 geführt, dann aber insgesamt nur einen Punkt geholt.

Fragwürdig: Mainz spielte gegen das schwäbisch-bayerische Augsburg mit gleicher Taktik wie gegen die ungleich stärker besetzten Oberbayern aus München in einem sehr defensiven 5-4-1 System.

Verletzungsgeschwächt hatten die Mainzer allerdings auch einige Umstellungen vorzunehmen: Bell, Geis und Polter spielten für die kranken Zimling, Parker und Nicolai Müller. Die Letzteren konnten aber zumindest auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Okazaki wurde als einzige Spitze aufgeboten, der gelernte Mittelstürmer Polter musste auf den Flügel ausweichen.

Die Mainzer begannen ihrer taktischen Vorgabe entsprechend extrem defensiv und zogen sich weit in die eigene Hälfte zurück und zeigten damit Parallelen zum Bayernspiel. Augsburg hatte somit 75% Ballbesitz nach einer Viertelstunde, konnte dies mit langen Bällen jedoch auch zu mehreren Chancen nutzen.

Die Truppe von Markus Weinzierl ging so auch in Führung, als nach einem langen Ball von Daniel Baier aus der eigenen Hälfte die Mainzer Abwehrkette zu passiv agierte und zusah, wie André Hahn den Ball mit der Brust mitnahm und ins lange Eck traf. Nach dem 100. Bundesliga-Tor in den Kasten von Schlussmann Müller drehte Augsburg weiter auf: Tobias Werner, Sascha Mölders und Paul Verhaegh hätten noch vor der Pause nachlegen können.

Tuchel revidierte schließlich seine Defensiv-Taktik, löste die Fünfer-Kette auf und brachte zu Beginn der zweiten Halbzeit Nicolai Müller für Verteidiger Bo Svensson. Zugleich ersetzte Christian Wetklo den verletzten Heinz Müller im Tor.
Mainz konnte es zwar nach einem Foul von Jan-Ingwer Callsen-Bracker im 16er durch einen Elfmeter von Eric-Maxim Choupo-Moting (59.) wieder spannend machen, doch war am Ende nicht mehr drin als zu Recht die vierte Auswärtsniederlage zu kassieren. “Wir wollten mindestens einen Punkt hier mitnehmen. Das haben wir nicht geschafft, deshalb sind wir sehr enttäuscht”, sagte FSV-Coach Tuchel.

“Es war wirklich dramatisch. Wir hatten etliche Möglichkeiten und sind natürlich überglücklich, drei Punkte geholt zu haben”, sagte Augsburgs Manager Stefan Reuter. Erleichtert war auch FCA-Trainer Markus Weinzierl: “Zum Schluss war es nervenaufreibend. Das lag an der Geschichte der letzten Wochen, als wir kurz vor dem Ende immer ein Gegentor bekommen haben.”

Der Mainzer Sportdirektor Christian Heidel meinte: “Man kann nicht sagen, dass der Sieg unverdient ist, aber mit ein bisschen Glück holen wir hier einen Punkt.” Das wäre aber definitiv zuviel des Guten gewesen.

Kurios: Der zur Pause für den angeschlagenen Heinz Müller eingewechselte Mainzer Torhüter Christian Wetklo sah in der 88. Minute nach einer Notbremse an Arkadiusz Milik die Rote Karte. Da die Gäste schon dreimal gewechselt hatten, ging Stürmer Polter für die restlichen Minuten ins Tor.
Nicht nur sein Torwartproblem macht Mainz-Trainer Thomas Tuchel mit Blick auf die nächsten Aufgaben Sorgen: «Ich habe schon ein bisschen Bauchschmerzen, wenn ich uns spielen sehe, es gefallen mir viele Kleinigkeiten nicht. Wir müssen uns strecken, haben zu viele Spieler ohne Form, zu viele Baustellen.»

Am kommenden Wochenende müssen die Rheinhessen gegen die kriselnde Frankfurter Eintracht ran. Mit einer ähnlich defensiven Taktik wird das eine schwierige Aufgabe.
Trainer Tuchel kündigte derweil in der Pressekonferenz an, dass der dritte Torwart Lorius Karius das Tor hüten werde.