Mainzer Rad auf holprigen Pfaden

Knapper 05-Sieg im Hinspiel der Europa League Qualifikation gegen Asteras Tripolis

Im ersten Pflichtspiel des Jahres und im ersten Spiel unter neuem Trainer Kaspar Hjulmand zitterten sich die Spieler des 1. FSV Mainz 05 zu einem glücklichen 1:0 Sieg gegen den griechischen Erstligisten vom Peleponnes.

05- Asteras10

Einigen Mainzer Spielern musste man WM und Sommerferien als mildernden Umstand zugestehen für das doch sehr zerfahrene Spiel mit vielen individuellen Patzern in der ersten Halbzeit.
Nicht weniger als 5 WM-Teilnehmer konnte Mainz auf Platz und Bank aufbieten, um das erneute Ausscheiden in der 3. Qualifikationsrunde nach 2008 zu vermeiden. In der ersten Halbzeit mangelte es jedoch noch an Abstimmung, Konzentration und Präzision.

Die spielerischen Aktionen wirkten fahrig, die Ordnung auf dem Platz verbesserungswürdig, ohne dass die Taktik merklich anders schien als noch unter Thomas Tuchel. Als WM-verwöhntem Zuschauer konnte so trotz des sehr schönen Sommerabends keine echte Euphorie hinsichtlich der weiteren Zukunft aufkommen. Man merkte, dass man sich erst wieder an ein Niveau abseits des WM-Finales gewöhnen musste. Noch überwog jedoch die Freude über das erste Europapokalspiel der Mainzer seit langem, die Stimmgewalt der Mainzer Fans auf Stehplatz und ORGENTEC-Tribüne war ohnehin ungetrübt. Das Stadion war an diesem Abend gut besetzt, trotz des vermeintlich leichten Gegners.

Dass dieser Gegner in seiner Historie erst einmal in der Europa League verloren hatte und als Erstligist auch Fußball spielen konnte, war den Fans spätestens nach den ersten 30 Minuten klar.

Dem Gegner applaudiert

Insbesondere der 22jährige Belgier Ziguy Badibanga stellte die Mainzer und inbesondere Park vor die ein oder andere knifflige Aufgabe und wurde aus Respekt vor seiner guten Leistung nach 78 Minuten von allen Fans im Stadion mit Applaus verabschiedet.
Ebenfalls jung, aber unkonzentriert vetändelte Yunnus Mali in der Offensive den einen oder anderen Ball, was immer wieder zu Gegenbewegungen auf das Mainzer Tor führte. Die erfahreneren Spieler wie Koo oder Okazaki machten es jedoch selten deutlich besser.

Glückliche Führung

So war es mehr als glücklich, dass die 05er in der 45. Minute durch Okazaki in Führung gehen konnten: nach einigem Durcheinander im Torraum reagierte er richtig und grätschte nach einem Kopfballabpraller den Ball über die Linie. Nur 5 Minuten zuvor hatten die Griechen aus Tripoli einen Lattentreffer erzielt und Mainz musste auch Torhüter Loris Karius bis dahin über die ein oder andere gute Abwehr dankbar sein.

Das Mainzer Original, Edelreporter und Comedian Sven Hieronymus wurde in der Pause leicht grantelnd gesichtet und murmelte seinen Kommentar zur Leistung in den nicht vorhandenen Bart. Den meisten Fans dürfte eine positive Saisonprognose mit neuem Trainer angesichts dieser Leistung ebenfalls eher schwer gefallen sein.

In der zweiten Hälfte stabilisierte sich jedoch das Spiel, ohne dass es an den Einwechslungen von Neuzugang Brosinski, Diaz oder Zimling lag. Die Mainzer erhöhten das Tempo, wirkten etwas sicherer im Kombinationsspiel und hatten mit Johannes Geis wieder einen sehr aktiven Ballverteiler auf der Sechs. Deutlich schlagkräftigere Aktionen in der Offensive konnte man jedoch nicht sehen.
Mit einem 1:0 im Rücken wird es also nicht leicht werden, die nächste Runde zu erreichen. Da das gegnerische Stadion jedoch nur 7000 Zuschauer fasst und auch einige Mainzer Fans den Weg dorthin wagen werden, wird man jedoch kaum frenetische Gästefans zu fürchten haben. Ohnehin wirkten die griechischen Spieler wie Fans sehr fair und besonnen.

Beobachtungen:

Als einziger der Neuzugänge von Beginn an auf dem Platz, spielte der chilenische WM-Teilnehmer Gonzalo Jara auf der rechten Abwehrseite  als Außenverteidiger. Der 69fache Nationalspieler wurde als tragischer Spieler einer respektabel abschneidenden chilenischen Mannschaft bekannt, weil er im Achtelfinale gegen Brasilien ein Eigentor schoss und den entscheidenen Elfmeter nur an den Innenpfosten setzte. Chile schied damit aus.
Die andere Abwehrseite – ebensfalls WM-tauglich mit dem Koreaner Park besetzt – sollte später von Junior Diaz bespielt werden, Stammspieler von Brasiliens folgendem Gegner im Viertelfinale Costa Rica und ebenfalls im Elfmeterschießen ausgeschieden.

Die zwei WM-Teilnehmer in der Offensive Koo und Okazaki wurden diesmal nicht von Nicolai Müller unterstützt. Der vom HSV umworbene Spieler saß noch nicht einmal auf der Bank.